Darauf machen zum Gedenktag für verstorbene Drogenabhängige am 21. Juli der Suchtkoordinator des Kreises Soest Christoph Straub, Alexa Krause, Fachkraft für Suchtprävention, sowie Stefanie Gernhold, Leiterin der Suchtberatungsstellen der Diakonie Ruhr-Hellweg, aufmerksam. Denn auch vor dem Kreis Soest macht die traurige Entwicklung nicht Halt: Im Jahr 2022 gab es hier vier Drogentote. 2023 stieg die Zahl sprunghaft an auf 13, 2024 lag sie bei sechs und 2025 bei elf Personen.
Das durchschnittliche Alter der 2024 deutschlandweit an den Folgen ihres Drogenkonsums Verstorbenen betrug laut Bundeskriminalamt 41 Jahre. Christoph Straub betont: „Die Betroffenen werden im Vergleich zu früher zwar deutlich älter, sterben aber dennoch viel zu früh.“ Gründe hierfür sieht das Bundeskriminalamt zum einen im gestiegenen Wirkstoffgehalt der Substanzen – vor allem bei Heroin und Ecstasy –, zum anderen in den stark gesunkenen Preisen vor allem bei Crystal Meth. Hinzu kommt, dass viele Konsumenten nicht nur eine Substanz zu sich nehmen, sondern der Trend zu einer großen Bandbreite der konsumierten Drogen geht.
„Insbesondere synthetische Drogen gewinnen an Bedeutung“, weiß Alexa Krause. Die Substanzen werden über Online-Handelsplattformen und Messenger-Dienste vertrieben und sind damit leicht verfügbar. Auch der Trend zu synthetischen und halbsynthetischen Cannabinoiden in Form von Kräutermischungen, Liquids, Lebensmitteln (Edibles) oder mit dem Wirkstoff getränkten Papier hält an. Mit Sorge beobachtet die Suchtexpertin die Zunahme hochpotenter synthetischer Opioide, die als „Forschungschemikalien“ zum Kauf angeboten werden. Die Gefahr: Schon kleinste Mengen dieser Betäubungsmittel reichen aus, um eine lebensgefährliche Atemdepression hervorzurufen.
Mit Prävention schon im Kindergarten starten
Substanzanalysen in sicheren Drogenkonsumräumen – sogenanntes Drug Checking – können die gesundheitlichen Risiken für die Konsumentinnen und Konsumenten mindern. Die nordrhein-westfälische Landesregierung hat hierzu im September 2025 eine entsprechende Verordnung erlassen. Ein Schritt, den Suchtkoordinator Christoph Straub ausdrücklich begrüßt: „Beim Drug Checking werden Betäubungsmittel auf ungewöhnliche Inhaltsstoffe und Stoffkonzentrationen geprüft. Damit können Todesfälle durch verunreinigte Substanzen reduziert und Überdosierungen vermieden werden“, erklärt er.
Grundsätzlich gilt jedoch: Am besten ist es, erst gar nicht mit dem Drogenkonsum anzufangen. Präventive Maßnahmen sollten deshalb so früh wie möglich starten. Suchtpräventionskraft Alexa Krause ist bereits in den Kindergärten unterwegs und bietet dort unter anderem das sogenannte FREUNDE-Programm für Erzieherinnen und Erzieher an. Im Rahmen des Programms lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, mit den Mädchen und Jungen über deren Umgang mit Gefühlen ins Gespräch zu kommen. Außerdem wird vermittelt, was Kinder tun können, wenn es ihnen mal nicht so gut geht, oder wie sie einen Streit hilfreich auflösen können.
Hilfe für Suchtkranke, Angehörige und andere Bezugspersonen
Ein wichtiger Baustein im Kampf gegen die Sucht sind auch die Suchtberatungsstellen der Diakonie Ruhr-Hellweg mit Sitz in Lippstadt, Soest, Warstein und Werl. Das Angebot richtet sich sowohl an Menschen mit einer Suchtproblematik als auch an Angehörige und andere Bezugspersonen. Auch Hausbesuche sind möglich. Leiterin Stefanie Gernhold erklärt: „Wir hören zu, beraten, begleiten und vermitteln bei Bedarf in ambulante und stationäre Therapien. Jeder Todesfall im Zusammenhang mit Drogenkonsum ist aus unserer Sicht traurig und drastisch. Wir wünschen uns, dass Beteiligte, Angehörige sowie Ratsuchende in Suchtfragen frühzeitig den Kontakt zu uns suchen, Scham und Schwellenangst überwinden und sich Unterstützung holen.“
Weitere Informationen zum Gedenktag gibt es online unter www.gedenktag21juli.de. Ratsuchende können sich an Alexa Krause und Stefanie Gernhold wenden. Erreichbar sind sie unter den Telefonnummern 02921/30-2137 (Alexa Krause) und 02902/91089-21 (Stefanie Gernhold) oder per E-Mail an alexa.krause@kreis-soest.de und sgernhold@diakonie-ruhr-hellweg.de.

