Rund 160 Akteure und Verantwortliche aus Schule, Politik, Wirtschaft, Jugendhilfe und Verwaltung folgten der Einladung zum Austausch auf Haus Düsse. Susanne Hegemann von der Schulpsychologischen Beratungsstelle (Systemische Extremismusberatung) stimmte mit einer unkonventionellen Übung in Demokratie Fitness in den Tag ein. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern trainierte sie den „Muskel“ des aktiven Zuhörens. Demokratie Fitness hat seinen Ursprung in Dänemark. In kurzen Einheiten fördert das Programm Soft Skills wie Kompromissfähigkeit, Empathie und Mut und erinnert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zugleich daran, dass sie selbst der wichtigste Bestandteil der Demokratie sind.
Anschließend ging es um die Wahrnehmung und Einschätzung von Demokratiebildung aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Dafür wurde die Diskussionsmethode „Fishbowl“ genutzt: Eine kleine Gruppe von Teilnehmern diskutiert in einem Innenkreis – dem „Goldfisch-Glas“ – das Thema, während die übrigen Teilnehmer in einem Außenkreis die Diskussion verfolgen und Ideen der Personen des Innenkreises notieren.
Sichtweise der Kinder und Jugendlichen im Blick
Moderatorin Ute Soldierer verknüpfte nicht nur die institutionellen Positionen im Innenkreis miteinander, sondern brachte auch viele Statements der Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Außenkreis in die Diskussion ein. Dabei stand immer wieder die konkrete Sichtweise der Kinder und Jugendlichen im Fokus, die durch die Bezirksschülervertretung und den Kreisjugendring vertreten waren.
Deutlich wurde, dass Kinder und Jugendliche mehr Beteiligung wünschen – und zwar auf Augenhöhe. Hannah Schmitt, Schülersprecherin des Archi-Gymnasiums und zuständig für den Fachbereich Öffentlichkeitsarbeit der Bezirksschülervertretung, brachte es auf den Punkt: „Wir Jugendliche spüren, wenn wir nicht ernst genommen werden, und dann ziehen wir uns wieder zurück.“ Dies spiegelte sich in dem Vorschlag aus der Runde wider, Jugendliche fest in politische Gremien einzubinden.
Austausch in Workshops und Foren
Workshops zu Demokratiekonzepten an Schulen, Good-Practice-Beispielen außerunterrichtlicher Angebote, wissenschaftlichen Impulsen für demokratische Schulentwicklung sowie Konzepten zur Medienkompetenz und wirksamen Integrationsprojekten bildeten den zweiten Teil der Bildungskonferenz. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten viele neue Impulse und die Möglichkeit zum Austausch.
In Vernetzungsforen ging es anschließend um konkrete Schritte zum Thema Demokratiebildung als Schulentwicklungsprozess. Nach Altersstufen geclustert wurde gemeinsam überlegt, was bereits an Demokratiebildung in Schule unternommen wird, wo es neue Impulse braucht, und wie eine Unterstützung aus dem Kreis Soest aussehen könnte. Ein Markt der Möglichkeiten bot darüber hinaus den ganzen Tag über die Gelegenheit, das vielfältige regionale und überregionale Angebot zur Unterstützung der Schulen im Demokratiebildungsprozess kennenzulernen und Kontakte zu knüpfen.
Demokratiebildung im Kreis fördern
Die Bildungskonferenz setzt einen wichtigen Akzent auf dem Weg zu mehr Demokratiebildung im Kreis. Die gewonnenen Ergebnisse und Impulse nimmt die AG Demokratie mit, um weiter an der Leitfrage zu arbeiten, welche Beteiligungsformate für Kinder und Jugendliche bereits bestehen und welche im Kreis noch fehlen. Über allem steht die zentrale Überlegung, ab wann Beteiligung tatsächlich zu echter Partizipation wird. Weitere Infos zur Bildungskonferenz gibt es unter www.kreis-soest.de/bildungskonferenz.
Hintergrund: Bildungskonferenz und Bildungsregion
Seit 2008 gibt es ein eng geknüpftes Netzwerk in der Bildungsregion Kreis Soest. Regelmäßig findet eine Bildungskonferenz statt, die sich einem bestimmten Thema widmet und den Austausch untereinander fördert. Dabei greift das Team der Bildungsregion aktuelle Themen auf mit dem Ziel, im Austausch mit möglichst vielen Beteiligten Angebote zur Unterstützung der Bildungsakteure im Kreis Soest zu entwickeln.
Neben der Bildungskonferenz gibt es drei weitere Organe in der Bildungsregion:
- den Bildungsrat als strategisches Steuergremium unter Vorsitz des Landrats, in dem Akteure aus der Bildungslandschaft gemeinsam mit dem Dezernenten und dem Geschäftsführer der Bildungsregion die strategischen Ziele definieren und auf Vorschlag des Lenkungskreises auch die Themen der Bildungskonferenzen festlegen.
- den Lenkungskreis als taktisch-operatives Steuergremium für alle operativen Einheiten der Bildungsregion.
- als operative Einheiten das Team Bildungsregion (Regionales Bildungsbüro mit der Koordinierungsstelle Schulsozialarbeit und der Europa-Agentur) und die Kommunale Koordinierung am Übergang Schule – Beruf. Hier werden die Projekte und Maßnahmen der Bildungsregion kreiert, geplant, gestaltet, organisiert und umgesetzt.



