Gerhard Richter gilt international als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Künstler. Mit „Strich (auf Blau)“ (1979) und „Strich (auf Rot)“ (1980) gewann der heute 94-jährige Richter den „Kunst am Bau“-Wettbewerb für das Forum des damals neuen Börde-Berufskollegs. Nahezu ein halbes Jahrhundert schmückten die Werke die Halle des kreiseigenen Berufskollegs. Mit dem LWL-Museum für Kunst und Kultur wurde nun ein Standort mit klimatechnisch modernen Bedingungen gefunden, um die Werke dauerhaft zu sichern. „Wir freuen uns sehr, dass wir die Gemälde an einem benachbarten und renommierten Ort in guten Händen wissen“, betont Landrat Heinrich Frieling. „Das ist für beide Seiten ein Gewinn – und obendrein einer für die kunstinteressierte Öffentlichkeit.“
Die beiden Gemälde bestehen jeweils aus vier Teilen und erinnern aufgrund ihrer extrem ausgedehnten Proportionen an einen Fries: Sie sind jeweils 20 Meter lang und 1,90 Meter hoch. Richter soll über die Entstehung gesagt haben, dass keine andere Arbeit ihm derart viel Mühe und Zeit abverlangt hat wie die „Striche“.
Die Chance, die Originale zu sichern und gleichzeitig die Kunst am Bau durch die Erstellung der Duplikate zu erhalten, hatte sich im vergangenen Jahr ergeben: Die Pariser Fondation Louis Vuitton zeigte im Herbst 2025 mit 270 Werken die bislang größte Ausstellung von Gerhard Richter – und hatte dafür beim Kreis Soest nach einer Leihgabe des „Strich (auf Rot)“ gefragt. Hiermit eröffnete sich für den Kreis Soest die Möglichkeit, die Bilder nach der letzten Ausleihe im Jahr 2011 wieder konservatorisch behandeln zu lassen. Parallel dazu wurde die Zusammenarbeit mit dem LWL vertraglich vereinbart.
Für die Erstellung der Replikate liegt die schriftliche Zustimmungserklärung des Künstlers vor, vermittelt durch das Gerhard-Richter-Archiv, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. „Der Künstler hat uns als Eigentümer den Tausch der Originalgemälde gegen fotografische Fassungen ausdrücklich gestattet, um die Originale einer breiteren Kunstöffentlichkeit zur Verfügung stellen zu können“, berichtet Sascha Kudella, Dezernent für Jugend, Bildung und Soziales beim Kreis Soest. Die Kosten für die Anfertigung der Kopien liegt bei insgesamt lediglich 8.000 Euro.
Mit dem Einzug ins LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster wird nun genau das gewährleistet. Die Eröffnung der Neupräsentation der beiden Richter-Werke findet am Donnerstag, 16. April, um 20 Uhr im LWL-Museum für Kunst und Kultur, Domplatz 10, Münster statt. Gemeinsam mit dem Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL), Dr. Georg Lunemann, und der LWL-Kulturdezernentin, Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger stellt Landrat Heinrich Frieling dort die Dauerleihgaben vor.
Dr. Hermann Arnhold, Direktor des LWL-Museums für Kunst und Kultur, und Dr. Joachim Jäger, stellv. Direktor der Neuen Nationalgalerie Berlin und Richter-Experte, führen in das Werk Richters ein. Das Konzept der Neupräsentation erläutert Kiana Tellen, die wissenschaftliche Mitarbeiterin für Gegenwartskunst am LWL-Museum.

