Der erste von vier Bauabschnitten ist nun fertiggestellt. Zum erfolgreichen Projektstart trafen sich auf Einladung des Kreises Akteurinnen und Akteure aus Forst- und Wasserwirtschaft, Naturschutz und Politik im Jugendwaldheim Obereimer in Arnsberg. Landrat Heinrich Frieling dankte dem Regionalforstamt Arnsberger Wald von Wald und Holz NRW, der Stadt Warstein und dem Ruhrverband, die für das ambitionierte Vorhaben nicht nur Flächen zur Verfügung stellen, sondern auch ihre Expertise einbringen. Ebenso galt sein Dank den zahlreichen ideellen Projektpartnerinnen und -partnern. „Ohne Sie alle wäre das Projekt Schwammwald nicht entstanden und wir würden heute nicht den ersten Meilenstein feiern können“, betonte der Landrat.
Zuvor hatten der Kreis-Dezernent für Regionalentwicklung Peter Franken und Philipp Büngeler als Abteilungsleiter Umwelt beim Kreis Soest die Gäste willkommen geheißen. Projektleiterin Jennifer Weber aus der Abteilung Umwelt und Marietta Puhl aus der Geschäftsstelle Naturpark Arnsberger Wald gaben Einblicke in den bisherigen Projektverlauf und stellten die weiteren Schritte vor.
Pufferfunktion des Waldbodens wird wieder hergestellt
„Ziel des Schwammwald-Projekts ist es, die natürliche Pufferfunktion des Waldbodens und damit den naturnahen Wasserkreislauf wieder herzustellen. Damit stärken wird nicht nur die ökologische Balance im Arnsberger Wald, sondern schaffen auch einen langfristigen Nutzen für die gesamte Region“, erklärt Peter Franken. Denn mit mehr als 500 Quadratkilometern ist der Arnsberger Wald das größte zusammenhängende Waldgebiet in NRW und gehört zu einem der wichtigsten Ökosysteme im Sauerland.
Allerdings ist der Wald durchzogen von künstlich angelegten Entwässerungsstrukturen. Alleine auf dem Gebiet des Kreises Soest sind es mehr als 1.000 Kilometer – neben Entwässerungsgräben auch Spurgleise, Wegeseitengräben und Bachbegradigungen. Sie waren seinerzeit angelegt worden, um das Wasser möglichst schnell wieder abzuführen und den Waldboden trockenzulegen. Auf diese Weise konnten Baumarten wie Fichten, die auf feuchten Standorten nicht gut gedeihen, in Monokulturen angepflanzt, geerntet und verkauft werden.
Heute ist der Schaden, den die Entwässerungsstrukturen verursachen, größer als ihr Nutzen. Denn aufgrund des Klimawandels und der daraus resultierenden Trockenheit ist jeder Tropfen Wasser, der im Bestand bleibt, wichtig. Das betrifft auch die teils noch existierenden wertvollen Moorböden: Sie könnten eine große Menge Kohlenstoff speichern, wenn sie intakt wären. Im entwässerten Zustand stoßen sie jedoch Treibhausgase aus. Hinzu kommen Extremwetterereignisse wie Stürme, die den Wald weiter schädigen. Die geschwächten Bäume sind anfälliger für Schädlinge wie den Borkenkäfer, der die Fichtenbestände in den vergangenen Jahren enorm geschädigt hat.
Sogar zwei Kilometer mehr zurückgebaut
Das Schwammwald-Projekt konzentriert sich auf die Entwässerungsgräben, die sich im Arnsberger Wald auf dem Gebiet des Kreises Soest auf einer Länge von insgesamt 483 Kilometern erstrecken. Insgesamt 48 Kilometer werden im Rahmen der vier Bauabschnitte zurückgebaut. Die ersten 10,4 Kilometer zwischen Torhaus und Jagdschloss Sankt Meinolf in Möhnesee sind mit Fertigstellung des ersten Abschnitts bereits verschlossen worden. „Damit konnten durch die bauausführende Firma Sauer & Sommer Straßen- und Tiefbau GmbH aus Meschede sogar zwei Kilometer mehr zurückgebaut werden“, freut sich Projektleiterin Jennifer Weber.
Die Arbeiten, die auf etwa 45 Hektar Waldfläche bereits die Voraussetzungen für die Wiederherstellung eines naturnahen Wasserrückhaltevermögens geschaffen haben, erfolgten zwischen Dezember 2025 und Mitte März 2026. Der zweite Bauabschnitt soll im Mai in Angriff genommen werden. Bis Ende 2027 sollen alle Bauabschnitte fertiggestellt sein.
Auch die Projektpartnerinnen und -partner freuen sich über den ersten Meilenstein im Rahmen des Schwammwald-Projekts. Warsteins Bürgermeister Maximilian Spinnrath sagt: „Mit dem Abschluss des ersten Bauabschnitts ist ein wichtiger Schritt gelungen, um die natürliche Funktion unseres Waldes wiederherzustellen. Mit Freude blicke ich auf die kommenden Bauabschnitte: das Schwammwald-Projekt liegt der Stadt Warstein sehr am Herzen. Mein Dank gilt allen Beteiligten, insbesondere unseren Forstleuten, die sich mit großem Engagement und viel Herzblut für Klima- und Naturschutz einsetzen.“
Der Leiter des Regionalforstamts Arnsberger Wald von Wald und Holz NRW, Olaf Ikenmeyer, erklärt: „Das Förderprojekt ‚Schwammwald‘ bringt uns einen großen Schritt weiter in der zukunftsfähigen Entwicklung des Arnsberger Waldes. Indem wir den Wasserhaushalt verbessern, stärken wir die Widerstandskraft der Wälder gegenüber den Folgen des Klimawandels, betreiben Hochwasserschutz und fördern gleichzeitig Natur- und Artenschutz.“
Der Forstrevierleiter des Ruhrverbands Arne Heck betont: „Die großflächige Umsetzung des Schwammwaldprojekts ist ein zentraler Baustein zur Stärkung der Resilienz von Fließgewässern und Talsperren. Es verbessert die Wasserversorgung der Waldökosysteme, wirkt stützend auf die Trink- und Brauchwasserbereitstellung und hat einen positiven Einfluss auf die ökologische Funktionsfähigkeit von Bächen und Flüssen auch in Trockenperioden.“
Fördermittel machen Projekt möglich
Das Projekt Schwammwald wird mit insgesamt 440.000 Euro aus dem „Aktionsprogramm natürlicher Klimaschutz“ des Bundes gefördert. Die Förderlaufzeit beträgt drei Jahre bis 30. April 2028. Wald und Holz NRW hat zusätzlich 300.000 Euro aus Landesmitteln organisiert, der Kreis Soest ist mit Eigenmitteln in Höhe von 140.000 Euro dabei. Damit beträgt das Gesamtkostenvolumen des Projekts 880.000 Euro. Das Projekt versteht sich als Auftakt für weitere Maßnahmen zur nachhaltigen Stabilisierung der Wälder. Weitere Infos gibt es online auf der Seite www.kreis-soest.de/schwammwald.
Das Landschaftsinformationszentrum Wasser und Wald Möhnesee e.V. (LIZ) bietet für den 7. Juli um 17 Uhr eine Exkursion zum Schwammwaldprojekt an. Eine Anmeldung ist erforderlich. Nähere Infos gibt es online auf der Internetseite des LIZ. Unter dem Motto „Schwammwald – Klimaangepasster naturnaher Landschaftswasserhaushalt“ finden am 9. Juli um 9 Uhr und um 16.30 Uhr zwei weitere Themenveranstaltungen statt, die von der Natur- und Umweltschutzakademie NRW angeboten werden. Es wird um Anmeldung bis zum 25. Juni gebeten. Auch hierzu gibt es nähere Infos online.
Hintergrund: Projektpartnerinnen und -partner
Neben den aktiven Projektpartnern Regionalforstamt Arnsberger Wald von Wald und Holz NRW, Stadt Warstein und Ruhrverband tragen zahlreiche ideelle Partnerinnen und Partner mit ihrem Knowhow und konkreten Umsetzungsideen zum Gelingen des Projekts Schwammwald bei. Das sind: Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz im Kreis Soest, Wasserverband Obere Lippe, Naturpark Arnsberger Wald, Regionalforstamt Soest-Sauerland, Bezirksregierung Arnsberg, Planungsbüro Berger (Potenzialstudie), LökPlan (Entwicklung eines interaktiven Kartenmaterials zum Rückbau der Entwässerungsgräben), LANUK (wissenschaftliche Begleitung und Beratung im Bereich Grundwasser) und Fachhochschule Südwestfalen (wissenschaftliche Begleitung im Bereich Bodenkunde).
Hintergrund: Rückbau der Entwässerungsgräben
Für den Rückbau der Entwässerungsgräben wird zunächst der organische Oberboden auf dem Graben ausgehoben und seitlich zwischengelagert. Im nächsten Schritt wird der Graben mit dem mineralischen Aushub, der damals beim Anlegen der Entwässerungsgräben anfiel, wieder verfüllt. Dabei kann auch nicht mehr verwertbares lokales Totholz mit eingebaut werden, um das Volumen zu strecken. Fehlender Boden kann durch das Anlegen kleiner Stillgewässer direkt vor Ort gewonnen werden. Diese dienen dann wiederum als Feuchtbiotope für Amphibien wie Grasfrösche, Molche und Feuersalamander. Zusätzlich wurde Boden angeliefert, um die tiefenerodierten Gräben zu verschließen. Bei der Verfüllung werden punktuell dichte Lehm-Plomben eingebaut, damit das Wasser nicht unterirdisch weiter abfließt. Grundsätzlich werden die Gräben, wenn möglich, komplett verfüllt. Zum Schluss wird der zuvor ausgehobene organische Oberboden wieder angedeckt. Zum Einsatz kommen Kompakt- und Minibagger. Dabei wird darauf geachtet, trotz dieser Gerätschaften den Bodendruck so gering wie möglich zu halten, um den Waldboden nicht unnötig zu verdichten (Bodendruck im Rahmen des Schwammwald-Projekts unter 0,4 Kilogramm pro Quadratzentimeter).






