Schulabsentismus konfrontiert Schulen, Fachkräfte und Familien mit großen zunehmenden Herausforderungen. Wer unentschuldigt fehlt oder den Schulbesuch gar verweigert, tut das meistens nicht ohne Grund: Psychische Belastungen, familiäre Probleme, schulische Faktoren wie Leistungsdruck und Mobbing – manchmal sind die Ursachen tief verwurzelt. Hohe Fehlzeiten beeinträchtigen nicht nur die schulischen Leistungen, sondern erschweren auch den Einstieg in die Ausbildung und den Beruf. „Nach der Corona-Pandemie hat das Thema bei den Fachkräften in Schulen noch einmal an Relevanz gewonnen,“ erläutert Andrea Bergmann von der Kommunalen Koordinierungsstelle Übergang Schule Beruf beim Kreis Soest. „Das große Interesse zeigt, wie hoch der Bedarf an Austausch, Unterstützung und praxisnahen Lösungen in diesem Bereich ist“, ergänzt sie mit Blick auf die hohe Teilnehmerzahl.
Man müsse dem Thema Schulabsentismus als Verantwortungsgemeinschaft entgegentreten, betonte Sascha Kudella, Kreisdezernent für Jugend, Bildung und Soziales beim Kreis Soest, in seiner Begrüßung. „Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, Jugendhilfe und Erziehungsberechtigte müssen gemeinsam dafür sorgen, dass es Kindern und Jugendlichen im Kreis Soest gut geht. Wir müssen hinschauen und gemeinsam daran arbeiten, dass sie ein Teil unserer Gemeinschaft bleiben - denn sie fehlen uns sonst.“
Die Risikobedingungen für Schulabsentismus seien vielfältig, erklärte Professor Dr. Heinrich Ricking von der Universität Leipzig in seinem anschließenden Fachvortrag. „Es gibt unterschiedliche Muster und Ursachen für Schulabsentismus, weshalb es differenzierte Systeme braucht“, betonte er und stellte dabei präventive Maßnahmen in den Fokus. Schulabsentismus sei nicht als situatives Ereignis zu verstehen, sondern als Resultat einer Entwicklung, die bereits früh von ungünstigen Verläufen geprägt ist. Oftmals zeichne sich bereits in der Grundschulzeit eine ablehnende Haltung ab, die später in häufigen Fehlzeiten mündet. Nach der Prävention nannte er Intervention, Kooperation und Rehabilitation als weitere Säulen.
Eine besondere Perspektive boten Jugendliche aus dem Kreis: Sie wurden im Vorfeld befragt, warum sie zur Schule gehen, warum sie fernbleiben und wie Schule aussehen müsste, damit sie gerne kommen. Ihre Antworten wurden als Originaltöne abgespielt und künstlerisch von einer Schulklasse am Fachtag ausgestellt.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten in fünf Workshops, die Themen von "Elterneinbindung" und „Wohlbefinden in der Schule“ über „Schulersatzmaßnahmen“ bis hin zu „Prävention und Intervention bei angstbasiertem Schulabsentismus“ sowie "Good Practice-Beispiele im Kreis Soest" abdeckten, wertvollen fachlichen Input, konkrete Handlungsansätze für den Arbeitsalltag und intensive Austauschmöglichkeiten.
Der Fachtag wurde von der Kommunalen Koordinierungsstelle Übergang Schule-Beruf des Kreises Soest in Kooperation mit der Koordinierungsstelle Schulsozialarbeit, der Schulpsychologischen Beratungsstelle, dem Jugendamt des Kreises Soest und der Stadt Lippstadt, dem Schulamt und dem Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Kreises Soest, dem Kommunalen Integrationszentrum und der Hannah-Arendt-Gesamtschule Soest ausgerichtet.


