Krebsforschung rückt Darmmikrobiom in den Blick

Ärztliche Leiterin des Kreisgesundheitsamts appelliert zum Weltkrebstag: An den richtigen Stellschrauben drehen!

40 Prozent aller Krebsfälle könnten durch eine gesunde Lebensweise vermieden werden. Diese Expertenschätzung stammt vom Deutschen Krebsforschungszentrum und wird anlässlich des Weltkrebstages (4. Februar) auch von der Deutschen Krebshilfe veröffentlicht. Eine gute Nachricht, die motivieren sollte, findet die Ärztliche Leiterin des Kreisgesundheitsamts Dr. Margitta Neufeld.

Erfrischend und gesund
Kefir ist nicht nur erfrischend und mit frisch gepresstem Fruchtsaft besonders lecker – in dem probiotischen Getränk stecken auch wertvolle Bakterienkulturen, die zu einem gesunden Darmmikrobiom beitragen. Das wiederum hilft dem Immunsystem. Neue Forschungen zeigen außerdem, dass das Darmmikrobiom die Wirksamkeit von Immuntherapien beeinflusst, die bei der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden. Foto: Susanne Schulte-Nölle/ Kreis Soest

„Sie zeigt, dass jede und jeder von uns viele Faktoren selbst in der Hand hat, um einer Krebserkrankung vorzubeugen. Studien legen außerdem nahe, dass wir mit einem gesunden Lebensstil das Ansprechen auf eine Krebstherapie positiv beeinflussen können“, erklärt sie.

Im Fokus der aktuellen Krebsforschung steht unter anderem das Darmmikrobiom. Es bezeichnet die Anzahl und Zusammensetzung der Mikroorganismen im Darm. Etwa 300 Bakterienarten finden sich im Darm eines jeden Erwachsenen, weitere 600 bis 700 können dazukommen. Insgesamt besiedeln etwa 100 Billionen Mikroorganismen den Dickdarm einer gesunden Person.

Hochdynamisch und individuell

Das Darmmikrobiom ist dabei keine Konstante, sondern hochdynamisch und individuell. Umweltfaktoren beeinflussen stündlich seine Zusammensetzung und damit Funktion. Ganz maßgeblich zählt die Ernährung zu diesen Faktoren, aber auch Medikamente, körperliche Aktivität und Rauchen gehören dazu.

„Wer sich pflanzenbasiert und damit ballaststoffreich ernährt und Bewegung in seinen Alltag integriert, ernährt damit die guten Bakterien in seinem Darm. Diese Bakterien helfen unter anderem dem Immunsystem. Denn ein Großteil aller Immunzellen in unserem Körper ist im Bereich der Darmschleimhaut angesiedelt“, verdeutlicht Margitta Neufeld die Zusammenhänge. Stark verarbeitete Lebensmittel, aber auch Rauchen und Alkohol drängen dagegen die guten Bakterien zurück und fördern stattdessen das Wachstum der für die Gesundheit schlechten Bakterien.

Nie zu spät für mehr Gesundheit

Neue Forschungen zeigen, dass das Darmmikrobiom auch die Wirksamkeit von Immuntherapien beeinflusst, die bei der Behandlung von Krebserkrankungen eingesetzt werden. So legen Studien einen Zusammenhang nahe zwischen dem Ansprechen auf die Therapie und einer ballaststoffreichen Ernährung. Auch Probiotika – das sind milchsaure Produkte wie Joghurt, Kefir oder Sauerkraut, in denen gesundheitsfördernde Bakterienkulturen stecken – scheinen sich günstig auszuwirken. Die bisherigen Ergebnisse waren jedoch nicht einheitlich. „Es ist also weitere Forschung nötig. Trotzdem machen die Studien Mut und sollten uns in einem gesunden Lebensstil bestärken“, sagt Dr. Neufeld.

Ob man an Krebs erkranke, hänge zwar auch von zufälligen Faktoren sowie erblicher Veranlagung ab. Umso wichtiger sei es angesichts dessen aber, diejenigen Faktoren aktiv positiv zu beeinflussen, die man in der eigenen Hand hat. „Eine veränderte Ernährung führt innerhalb von Stunden zu einer Anpassung unseres Darmmikrobioms – und das in jedem Lebensalter. Es ist also nie zu spät, mehr für sich und die eigene Gesundheit zu tun“, wirbt die Ärztliche Leiterin des Kreisgesundheitsamts.

Hintergrund: Krebsfrüherkennung
Es gibt eine Reihe von Angeboten zur Krebsfrüherkennung, die von den gesetzlichen Krankenversicherungen bezahlt werden. Diese Angebote beziehen sich auf:

  • Darmkrebs (Männer und Frauen)
  • Brustkrebs (Frauen)
  • Gebärmutterhalskrebs (Frauen)
  • Prostatakrebs (Männer)
  • Hautkrebs (Männer und Frauen)

Weitere Informationen gibt es bei allen Hausärztinnen und Hausärzten und unter www.bundesgesundheitsministerium.de/krebsfrueherkennung sowie unter www.krebshilfe.de.