Zwischen Likes und Limits: Digitale Suchtfallen im Blick

Siebter Fachtag Schulsozialarbeit mit mehr als 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern

Smartphone, Social Media, Gaming und digitale Angebote gehören heute selbstverständlich zum Alltag von Kindern und Jugendlichen. Sie ermöglichen Vernetzung, Information, Lernen und gesellschaftliche Teilhabe. Gleichzeitig können die intensive oder unkontrollierte Nutzung und digitale Mechanismen aber auch zu problematischem Verhalten führen und soziale, schulische oder gesundheitliche Auswirkungen haben.

Siebter Fachtag Schulsozialarbeit
Im Kreishaus hat jetzt der siebte Fachtag Schulsozialarbeit stattgefunden. Organisiert wurde er von Britta Thulfaut (vorne, l.) und Verena Gröne (vorne, r.) von der Koordinierungsstelle Schulsozialarbeit. Tanja Schmitz-Remberg vom Verein Mediensuchtprävention NRW e.V. (vorne, Mitte) referierte zum Thema „Mediensucht und der Umgang mit ihren Formen im schulischen Kontext“. Sascha Kudella, Dezernent für Jugend, Bildung und Soziales (zweite Reihe, r.), und Mirko Hein, Abteilungsleiter Schule, Bildung und Integration (zweite Reihe, Mitte), begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zu Workshops luden Sascha Cornesse (l.) und Nicolas Rolf Hüwel (hinten) vom Medienzentrum des Kreises Soest ein. Foto: Susanne Schulte-Nölle/ Kreis Soest

Mit diesen Entwicklungen hat sich jetzt der siebte Fachtag Schulsozialarbeit in der Bildungsregion Kreis Soest im Kreishaus beschäftigt. Mehr als 50 Fachkräfte nahmen an der Veranstaltung unter dem Titel „Zwischen Likes und Limits: Digitale Suchtfallen im Blickpunkt der Schulsozialarbeit“ teil. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Schulsozialarbeit Kinder und Jugendliche im bewussten und verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien unterstützen kann.

Nach der Begrüßung durch Sascha Kudella, Dezernent für Jugend, Bildung und Soziales, referierte Tanja Schmitz-Remberg vom Verein Mediensuchtprävention NRW e.V. zum Thema „Mediensucht und der Umgang mit ihren Formen im schulischen Kontext“. Ab wann ist Medienkonsum ungesund? Und wie kann ich mich in der Schulsozialarbeit hierzu präventiv wie auch intervenierend gut aufstellen? Diese und weitere Fragen wurden in ihrem Vortrag beleuchtet.

Im Anschluss stellten Patrick Siebert und Semira Stock von der Diakonie Ruhr-Hellweg ihr Beratungsangebot zum Thema Medien vor. Sie zeigten, welche Unterstützungsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche, Eltern und pädagogische Fachkräfte bei Fragen rund um problematische Mediennutzung regional zur Verfügung stehen.

Workshops präsentieren Methoden und Materialien

Nach der Mittagspause konnten die Fachkräfte an einem von zwei Workshops teilnehmen und dabei konkrete Methoden und Materialien für die eigene Arbeit kennenlernen. Im Workshop „Gespräche über exzessive Mediennutzung führen – Präventions­material“ wurden zwei ausleihbare Materialkoffer vorgestellt. Das Angebot „Diginautis“ richtet sich an Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 3 und 4, während der Methodenkoffer „What’s On?“ ab Klasse 5 eingesetzt werden kann. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten Einblicke in die unterschiedlichen Materialien und konnten erste Methoden selbst erproben. Damit wurden praktische Anregungen vermittelt, um mit Kindern und Jugendlichen niedrigschwellig über Mediennutzung, deren Chancen und mögliche problematische Entwicklungen ins Gespräch zu kommen.

Der zweite Workshop widmete sich der Manipulation im digitalen Raum und nahm sogenannte Dark Patterns in den Blick. Diese Gestaltungselemente in Spielen, Apps und auf Websites können die Nutzerinnen und Nutzer gezielt zu bestimmten Entscheidungen oder Handlungen bewegen. Dazu gehören beispielsweise Mechanismen, die dazu beitragen, länger im digitalen Angebot zu bleiben, schneller einer Option zuzustimmen oder mehr Geld auszugeben. Gerade Kinder und Jugendliche können von solchen Mechanismen besonders beeinflusst werden. Im Workshop wurde daher thematisiert, an welchen Stellen Dark Patterns eingesetzt werden, wie sie funktionieren und warum es wichtig ist, solche Strategien zu erkennen und kritisch zu hinterfragen.

Frühzeitiger Blick auf Thema Medien wichtig

Ein Materialtisch bot den Fachkräften darüber hinaus praktische Vorlagen, zum Beispiel für Medientagebücher und Vereinbarungen zur Mediennutzung, die direkt im Schulalltag eingesetzt werden können.

Das Organisationsteam des Fachtags, Britta Thulfaut und Verena Gröne von der Koordinierungsstelle Schulsozialarbeit, zeigte sich zum Abschluss der Veranstaltung zufrieden: „Der Fachtag hat klar gemacht, wie wichtig ein frühzeitiger Blick auf das Thema Medien ist. Schulsozialarbeit spielt dabei eine zentrale Rolle.“ Eine Teilnehmerin fasst zusammen: „Es war ein lebendiger Tag, ein sehr interessanter Vortrag, und mir ist deutlich geworden, wie entscheidend die eigene Haltung in der Arbeit mit den Jugendlichen ist. Vorurteile sind nicht hilfreich.“

Workshop
Sascha Cornesse vom Medienzentrum (hinten, l.) stellte die Materialkoffer „Diginautis“ für die Jahrgangsstufen 3 und 4 und „What’s On?“ für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 vor. Die Koffer helfen dabei, mit Kindern und Jugendlichen niedrigschwellig über Mediennutzung, deren Chancen und mögliche problematische Entwicklungen ins Gespräch zu kommen. Foto: Susanne Schulte-Nölle/ Kreis Soest