Vor rund 40 Jahren wurde der Salzbach begradigt, um das Wasser möglichst schnell aus der Fläche abzuführen. In Zeiten des menschengemachten Klimawandels und zunehmender Trockenperioden verfolgt der Kreis Soest heute jedoch einen anderen Ansatz: Das Wasser soll wieder länger in der Landschaft gehalten werden.
Als historisches Vorbild für die Umgestaltung dienten alte Karten der sogenannten preußischen Uraufnahme aus dem 19. Jahrhundert. In Anlehnung an diesen ursprünglichen Zustand verlängert sich der Gewässerverlauf durch das Anlegen von acht neuen Schleifen um etwa 290 Meter, was die Fließgeschwindigkeit verringert.
Zudem erhält der Salzbach im Zuge der Renaturierung die für Bördebäche typischen Steilufer, die unter anderem dem seltenen Eisvogel als Brutplatz dienen können. Zusätzlich wird ein Altverlauf über eine Furt angebunden, der ab einem bestimmten Wasserstand im Salzbach geflutet wird. Über diesen Altverlauf wird zudem eine mehr als einen Hektar große Blänke (eine flache Wasseransammlung) gespeist, auf der wertvolles Feuchtgrünland entstehen soll.
Die ersten Schleifen sind bereits ausgehoben worden, aber noch nicht an den Bachverlauf angeschlossen. Vor Verfüllung des Altverlaufs wird der Fischbestand schonend mittels Elektrobefischung abgefischt. Dabei werden die Fische mithilfe eines schwachen elektrischen Feldes kurzzeitig betäubt und anschließend umgesetzt.
Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 260.000 Euro. Darin enthalten sind Vermessungskosten, verschiedenen Gutachten, Bauarbeiten, die Bodenverwertung und Rettungsbefischung. Da die Renaturierung des Salzbachs zu 80 Prozent durch das Landesförderprogramm „Lebendige Gewässer“ gefördert wird, beträgt der Eigenanteil des Kreises etwa 52.000 Euro. Können die Arbeiten wie geplant durchgeführt werden, soll die Maßnahme Ende Oktober abgeschlossen sein.
Hintergrund:
Mit der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) haben sich im Jahr 2000 sämtliche Mitgliedstaaten der Europäischen Union verpflichtet, ihre oberirdischen Gewässer und das Grundwasser zu schützen. Als Referenz für den guten Zustand der Bäche und Flüsse gilt deren natürliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren, die unverfälschte Gestalt und Wasserführung sowie die natürliche Qualität des Oberflächen- und Grundwassers.


