Was ist das Besondere an dem Teilzeit-Studium?
Lara Neumann: Das Teilzeit-Studium richtet sich explizit an Menschen mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen sowie an schwerbehinderte Menschen. Es ist sowohl in den Studien-, als auch in den Praxisabschnitten, auf 30 Wochenstunden ausgelegt. Dafür dauert es vier statt der normalen drei Jahre im Vollzeit-Studium. Die Vorlesungen werden überwiegend als Online-Vorlesungen angeboten. So muss ich in Studienphasen im Schnitt nur einmal die Woche zum Studienort nach Dortmund pendeln. Ich habe drei Kinder zwischen sieben und elf Jahren – insbesondere die Studienabschnitte mit den weiten Fahrtwegen wären in Vollzeit für mich nicht möglich gewesen. Die Teilzeitvariante gibt es in NRW erst seit wenigen Jahren und leistet für die Ausbildung im öffentlichen Dienst einen riesigen Beitrag für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Besonders schön ist der Zusammenhalt unseres Jahrgangs. Wir sitzen alle im selben Boot: Hier ist keiner 19 Jahre oder frisch aus dem Abitur – wir alle haben Kinder. Da weiß man, wie hart die Doppelbelastung mit Care Arbeit und Studium ist und wir unterstützen uns gegenseitig so gut wir können.
Warum hast du dich für das Studium Bachelor of Laws – Kommunaler Verwaltungsdienst entschieden?
Lara Neumann: Ich brauche eine sinnstiftende Arbeit, einen Platz, wo ich den Menschen in meinem Umfeld helfen und Veränderungen anstoßen kann. Ich weiß, dass Verwaltung für viele nicht aufregend klingt, aber hier ist der Ort, wo die großen Ideen und Versprechen der politischen Gremien auf die Realität treffen und umgesetzt werden müssen. Daran will ich beteiligt sein.
Ein Job in der freien Wirtschaft wäre nichts für mich. Ich möchte sehen können, wie meine Arbeit einen positiven Einfluss auf das Leben von Menschen hat. Außerdem ist mir Sicherheit und Stabilität wichtig. Ich hatte nicht den einfachsten und gradlinigsten Lebenslauf, daher wünsche ich mir einen langfristigen und sicheren Job für meine Familie. Ich liebe Soest und möchte das Leben für alle hier mitgestalten und verbessern können.
Was lernt man im Studium?
Lara Neumann: Über vier Jahre wechseln sich immer wieder Studien- und Praxisphasen ab. An der Hochschule besucht man Vorlesungen, absolviert Kurse und schreibt Prüfungen. Zu den theoretischen Inhalten des Studiums gehören Rechtswissenschaften, wie zum Beispiel Staatsrecht, Verwaltungsrecht, Kommunalrecht oder Zivilrecht. Es werden aber auch Wirtschafts- und Sozialwissenschaften vermittelt.
Ich will nicht beschönigen, dass es zwischendurch auch stressig und anstrengend wird, aber ich bin wirklich erstaunt, wieviel ich am Ende gelernt habe, das ich jetzt im Arbeitsalltag abrufen und anwenden kann. In den Praxisphasen ist man in den verschiedenen Fachabteilungen beim Kreis eingesetzt: Von Personalverwaltung und Schulangelegenheiten über Finanzwirtschaft und Straßenwesen bis hin zu Soziales oder dem Jobcenter – total vielfältig!
Was machst du jetzt gerade in deinem Studium?
Lara Neumann: Aktuell bin ich in der Abteilung Pflegeplanung und Alter eingesetzt, wo ich abwechslungsreiche Aufgaben im und außerhalb des Kreishauses habe und von Anfang an super herzlich und auf Augenhöhe in alles eingebunden wurde. Wir sind hier in erster Linie für die Pflegeberatungen und Regelüberprüfungen von Pflegeeinrichtungen zuständig. Wir fahren daher oft raus, reden mit Leitungspersonal, Pflegekräften, Bewohnerinnen und Bewohnern in Altenheimen oder pflegenden Angehörigen. Ich kann immer wieder in den Außendienst mitfahren, übernehme aber auch rechtliche Recherchen und schreibe Infopapiere. Ich mache Personalberechnungen aber auch Netzwerkarbeit in der örtlichen Seniorenarbeit und kümmere mich mit um die demokratische Partizipation von älteren Menschen. Ich habe viel Freiheit, mir Projekte und Themen zu suchen.
Welche Voraussetzungen sollte man für das Studium mitbringen?
Lara Neumann: Das Studium ist inhaltlich auf jeden Fall anspruchsvoll und herausfordernd. Es hilft, eine Affinität oder ein gewisses Grundinteresse für rechtlich-politische Fragestellungen mitzubringen. Ich weiß, wie groß die innere Hemmschwelle sein kann, sich auf einen Studienplatz zu bewerben und durch ein Auswahlverfahren zu gehen, wenn man eben nicht mehr frisch aus der Schule kommt, Kinder hat oder vielleicht noch in einem ganz anderen Bereich arbeitet. Das Teilzeitstudium einzuführen ist ein wichtiger Schritt gewesen, um genau so einen Quereinstig zu ermöglichen, und der Kreis als Dienstherr begleitet und unterstützt einen bei jedem Schritt, auch wenn Sachen mal nicht so gut laufen – bisher wurde noch für jede und jeden von uns, egal ob Teilzeit, Vollzeit oder Ausbildung, eine Lösung oder eine Alternative gefunden. Ich kann daher nur ermutigen, sich den Schritt zuzutrauen und sich zu bewerben, wenn man sich eine Arbeit in der Kreisverwaltung vorstellen kann.
Weitere Informationen zum Studium, den Bewerbungsvoraussetzungen und weiteren Ausbildungsberufen sind auf der Internetseite der Kreisverwaltung unter www.kreis-soest.de/ausbildung zu finden. Bewerbungsschluss ist der 22. September 2026. Fragen beantwortet das Team Ausbildung des Kreises Soest per E-Mail an ausbildung@kreis-soest.de oder unter folgenden Telefonnummern: 02921/30-2279 (Kerstin Düsener), 02921/30-2504 (Luca Brüggemann).

