Vorbild statt Vollrausch

„Prävention im Team“ appelliert an Erwachsene

Ob im Schützenfestzelt, auf Geburtstagpartys oder beim Feierabendbier: Alkohol gehört für viele selbstverständlich zum Alltag. Doch genau diese Normalität birgt Risiken – insbesondere für Kinder und Jugendliche, die das Verhalten von Erwachsenen häufig unreflektiert übernehmen. Zur Hochsaison der Schützenfeste macht der Arbeitskreis „Prävention im Team“ deshalb auf die Verantwortung von Erwachsenen und ihre wichtige Vorbildfunktion aufmerksam.

Arbeitsgemeinschaft „Prävention im Team“
Die Arbeitsgemeinschaft „Prävention im Team“ setzt auf moderne Suchtprävention, die über eine Verbotskultur und reine Informationsvermittlung hinausgeht. Ziel ist es, die Zusammenarbeit der beteiligten Personen, Angebote und Institutionen zu verbessern, um verschiedene Dialoggruppen zu erreichen und zu unterstützen. Foto: Susanne Schulte-Nölle/ Kreis Soest

Die gesundheitlichen und sozialen Folgen von Alkohol sind wissenschaftlich eindeutig belegt: Jede Form des Alkoholkonsums, selbst in geringen Mengen, kann langfristig schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit haben, insbesondere bei Kindern und Jugendlichen. Nach Angaben des Bundesministeriums für Gesundheit zählt Alkoholkonsum zu den wesentlichen Risikofaktoren für mehr als 200 Erkrankungen, darunter Krebs, Demenz, Leber- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie psychische Beeinträchtigungen. Auch Unfälle stehen häufig im Zusammenhang mit Alkohol.

Trotzdem gehört Alkohol in Deutschland zu den gesellschaftlich akzeptierten Drogen. Sein Konsum wird kaum hinterfragt. „Besonders problematisch ist, dass Alkohol in vielen Alltagssituationen nicht nur toleriert, sondern aktiv gefördert wird. Wer keinen Alkohol trinkt, muss sich oft rechtfertigen“, weiß Alexa Krause, Suchtpräventionskraft beim Kreis Soest. Diese gesellschaftliche Erwartungshaltung erschwere es vielen Menschen, gesundheitsbewusste Entscheidungen zu treffen.

Die Arbeitsgemeinschaft „Prävention im Team“, ein freiwilliger Zusammenschluss von Personen, Diensten und Einrichtungen im Kreis Soest, ruft daher Erwachsene dazu auf, ihre Vorbildfunktion ernst zu nehmen und Kindern sowie Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang vorzuleben. „Erwachsene können durch ihr Verhalten zeigen, dass Genuss auch ohne Alkohol möglich ist. Sie können bewusst Grenzen setzen, alkoholfreie Alternativen wählen und offen über Risiken sprechen“, ergänzt Stefanie Gernhold, Leitung der Suchtberatungsstellen der Diakonie Ruhr-Hellweg im Kreis Soest.

Gleichzeitig werden auch positive Trends deutlich: Der Alkoholkonsum in Deutschland ist in den vergangenen Jahrzehnten insgesamt zurückgegangen. Insbesondere Jugendliche trinken laut Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit seltener oder beginnen später damit. Auch alkoholfreie Alternativen gewinnen zunehmend an Beliebtheit. Dennoch bleibt Handlungsbedarf: Deutschland gehört im internationalen Vergleich weiterhin zu den Hochkonsumländern, und Rauschtrinken ist bei Jugendlichen weiterhin verbreitet.

„Unser Ziel ist es, den Kreis Soest kinder- und gesundheitsfreundlich zu gestalten und das Bewusstsein dafür zu stärken, dass Alkohol nicht selbstverständlich zu jedem Fest dazugehören muss. Durch Aufklärung fördern wir das Risikobewusstsein und möchten Erwachsene dazu ermutigen, ihre Rolle als Vorbilder aktiv wahrzunehmen“, verdeutlicht Alexa Krause das Leitbild von „Prävention im Team“. Neben Eltern und Bezugspersonen seien auch Veranstalter und Festwirte gefragt. Sie tragen Mitverantwortung dafür, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Jugendschutz ernst nehmen und alkoholfreie Alternativen sichtbar machen.

Hintergrund: „Prävention im Team"
Die Arbeitsgemeinschaft „Prävention im Team“ (PiT) versteht sich als Netzwerk, das sich aus verschiedenen Arbeitsbereichen, wie dem Kreisgesundheitsamt, der Jugendämter, der Kreispolizeibehörde und dem Medienzentrum des Kreises Soest, zusammensetzt. Auch Fachkräfte aus der Schulsozialarbeit, der Suchtberatung der Diakonie sowie der LWL-Kliniken sind Teil des Netzwerks. Ziel ist es, durch Präventivarbeit für die Risiken des Alkoholkonsums zu sensibilisieren und alkoholassoziierte Probleme wie Konflikte und Unfälle zu reduzieren. Wesentliche Ansatzpunkte dabei sind die Lebenskompetenzförderung, die Förderung der Genussfähigkeit sowie das Aufzeigen von Alternativen zum Konsum. Medienkompetenz und Gesundheitsförderung fließen als weitere wesentliche Aspekte in das Gesamtkonzept mit ein.

Alkoholkonsum im Alltag
Alkohol gehört in Deutschland zu den gesellschaftlich akzeptierten Drogen. Insbesondere auf Schützenfesten wird der Alkoholkonsum trotz erheblicher Risiken kaum hinterfragt und ist für viele fester Bestandteil der Feierlichkeiten. Foto: Hannah Osterhoff/ Kreis Soest