„Pflegemängel nicht zu entschuldigen“

Kreis bekräftigt Notwendigkeit der Maßnahmen im Pflegezentrum Rüthen

 Kreisverwaltung nimmt Stellung
Die Kreisverwaltung nimmt Stellung zu den Maßnahmen im Pflegezentrum Rüthen. Foto: Thomas Weinstock/ Kreis Soest
Pressemeldung vom 10.07.2018 13:00

Kreis Soest (kso.2018.07.11.306.-rn). Die Schließung des geschlossenen Wohnbereichs des Pflegezentrums Rüthen war dringend notwendig und angemessen. Das stellt die Kreisverwaltung fest und weist die Kritik einiger Mitarbeiter und einzelner Angehöriger, die in den vergangenen Tagen zum Gegenstand von Zeitungsberichterstattung geworden ist, als vollkommen unsachlich und in keiner Weise gerechtfertigt zurück.


„Wir hatten erhebliche und äußerst gravierende Pflegemängel festgestellt. Das psychische und physische Wohl der Bewohner war entweder bereits beeinträchtigt oder in Gefahr, Schaden zu nehmen“, betont Holger Schubert als für die Heimaufsicht (WTG-Behörde) zuständiger Sachgebietsleiter. „Zum Beispiel wurden Schmerzmittel oder andere Medikamente nicht wie vom Arzt verordnet verabreicht. Ein verantwortungsbewusster Umgang mit freiheitsentziehenden Maßnahmen wie körpernahe Fixierungen bzw. Gurtfixierungen war nicht ausreichend gegeben. Auch wurde im Hinblick auf die psychosozialen Aspekte und individuellen Bedürfnisse des besonderen Bewohnerklientels im geschlossenen Wohnbereich eine unzureichende pflegerische und soziale Betreuung festgestellt. Fachkräfte im Bereich der sozialen Betreuung fehlten gänzlich. Deshalb mussten wir kurzfristig handeln und hatten dabei keinerlei Ermessensspielraum, andere Maßnahmen zu ergreifen.“ Schubert stellt weiter klar: „Wir haben nichts gegen den Willen der Betreuer oder der Angehörigen unternommen. Teilweise wurden die Maßnahmen sogar von Seiten der Betreuer begrüßt, die ihrerseits bereits zunehmend unzufrieden mit der Versorgung der Bewohner waren.“ Wenn Angehörige nicht zu erreichen gewesen seien, habe keine Verlegung stattgefunden, so dass einige wenige Bewohner bis zur Abstimmung mit den Angehörigen noch im geschlossenen Wohnbereich lebten. Da es sich um eine  geschlossene Einrichtung mit entsprechenden  Erkrankungen (Demenz, Psychose u. a.) handele, könnten nicht nur die Betroffenen selbst in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Weil die Verlegung für die Bewohner eine große Veränderung und damit eine Belastung bedeute, habe ein sorgfältiger Abwägungsprozess stattgefunden. „Wir haben es uns überhaupt nicht leicht gemacht, ob wir das den Bewohnern zumuten können“, stellt Holger Schubert klar. „Aber wir hatten mit Blick auf das Wohl der Betroffenen keinerlei Wahl.“ Da der Träger den Anordnungen, die vorhandenen Mängel zu beseitigen, nie ausreichend nachgekommen sei, habe die Heimaufsicht (WTG-Behörde) einschreiten müssen. Das verlange das Gesetz. Das Pflegezentrum habe in keiner Weise eigeninitiativ die Maßnahmen oder die Betroffenen unterstützt. Dem Träger hätten insgesamt annähernd vier Wochen Zeit zur Verfügung gestanden, sich selbst um eine andere Versorgung der Bewohner zu kümmern, passiert sei jedoch nichts. Holger Schubert: „So handelt niemand, der sich verantwortlich um seine Einrichtung kümmert.“

Einige öffentlich geäußerte Vorwürfe seien absurd. Es sei keine „im Sterbeprozess befindliche Person“ verlegt worden. Niemandem sei in einem Café die Entscheidung über die Verlegung mitgeteilt worden. Das sei auch nie beabsichtigt gewesen. Ein kritisierter Umzug nach Bonn sei eine Entscheidung der dort ansässigen Angehörigen gewesen.

„Im Mittelpunkt unseres Handelns steht und stand das Wohl der Bewohner. Das ist unsere gesetzliche, aber auch menschliche Verpflichtung, die wir sehr ernst nehmen“, betont Holger Schubert. „In diesem Sinne werden wir die weitere Entwicklung im Pflegezentrum eng begleiten. Wenn alle Voraussetzungen erfüllt werden und wir überzeugt sind, dass vor Ort eine vernünftige Arbeit geleistet wird, kann das Pflegezentrum seine Arbeit ohne unsere intensive Überwachung fortsetzen.“ Als vollkommen unverständlich bezeichnet Schubert, dass die offensichtlichen Pflegemängel geleugnet werden: „Das ist nicht zu entschuldigen, auch nicht mit einem Hinweis auf den bestehenden Personalmangel. Wenn Kräfte fehlen, muss man die Einrichtung verkleinern. Aber keinesfalls die Gesundheit der Bewohner aufs Spiel setzen. Wenn ein Träger in dieser Hinsicht seiner Verantwortung nicht nachkommt, muss eine Heimaufsicht aktiv werden.“


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