Hygienekontrolleure bieten Infektionen Einhalt

Corona-Fallzahlen sprechen für frühe Reaktion - Landrätin lobt großen Einsatz des Kreisgesundheitsamts

Infektionsketten ermitteln und unterbrechen
Hygienekontrolleurin Gaby Paetschke und Hygienekontrolleur Raphael Moers erklären anhand einer Fallskizze die Ermittlung und Unterbrechung von Infektionsketten. Foto: Judith Wedderwille/ Kreis Soest
Pressemeldung vom 20.05.2020 10:00

Kreis Soest (kso.2020.05.20.290.jdw). "Überall dort und immer dann wenn Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Parasiten dem Menschen gefährlich werden können, sind wir zuständig und greifen ein", so erklärt Raphael Moers seinen Beruf. Er ist einer von sechs Hygienekontrolleuren des Kreisgesundheitsamts, die für den Infektionsschutz tätig sind. Seit dem Auftreten des Coronavirus Anfang 2020 sind sie, wie auch das Ärzte- und Verwaltungsteam, in Alarmbereitschaft, um früh auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.


Zu den täglichen Aufgaben der Hygienekontrolleure gehört die Unterbrechung von Infektionsketten. Das Vorgehen beim Coronavirus ist dabei ähnlich wie bei anderen meldepflichtigen Erkrankungen: „Wenn ein Patient erkrankt ist, beginnt die Suche nach der Quelle“, erklärt Hygienekontrolleurin Gaby Paetschke. „Man muss sich das vorstellen wie bei einer polizeilichen Ermittlung“, ergänzt Kollege Moers. „Wir suchen nach der Infektionsquelle, ermitteln die Infektionsketten und unterbrechen diese, so früh wie möglich. Das ist beispielsweise auch bei Masern, Krätze oder Noroviren der Fall.“

Das Besondere am neuen Coronavirus ist, dass es sich weltweit verbreitet und so eine Pandemie ausgelöst hat. Die genauen Auswirkungen sind noch nicht ausreichend bekannt und das Symptombild vervollständigt sich erst mit zunehmendem Fallaufkommen. Zudem gibt es bislang weder wirksame Medikamente noch einen Impfstoff. „Es fehlt die zeitliche und örtliche Begrenzung, die man beispielsweise bei einem Masern-Ausbruch hat“, weiß Hygienekontrolleurin Paetschke. „Bei Masern haben wir in der Bevölkerung eine hohe Durchimpfungsrate, daher kann der Erreger sich nicht so schnell von einer Person zur nächsten verbreiten. Gegen das neuartige Coronavirus gibt es hingegen keinen Schutz in der Bevölkerung.“

Zeitaufwendig ist vor allem die Kontaktpersonen-Ermittlung, denn ein positiv getesteter Mensch kann eine, 20 oder noch sehr viel mehr Personen anstecken. Alle Kontaktpersonen müssen ermittelt, informiert und für diejenigen mit engerem Kontakt eine Ordnungsverfügung für die häusliche Isolierung erlassen werden. „So eine Ermittlung ist aber nicht nur im Hinblick auf die Personenanzahl schwierig. Man muss die richtigen Fragen stellen, viel erklären und die Menschen beruhigen. Das Wort Isolation löst bei vielen zunächst Angst und Sorge aus, die wir versuchen am Telefon etwas zu nehmen. Die Kombination aus all dem macht unseren Beruf zu etwas Besonderem“, erklärt Raphael Moers. 

Die persönlichen Gespräche machen einen Großteil der Arbeit aus. Um alle Personen, die sich wegen des Coronavirus in Isolation befinden, täglich durch das  Kreisgesundheitsamt kontaktieren zu können, wurde das Infektionsschutzteam personell deutlich verstärkt. „Dieses Vorgehen ist zwar sehr zeit- und arbeitsintensiv, aber die Resonanz der Bürgerinnen und Bürger zeigt, dass es genau richtig ist. Die Patienten werden in ihrer Isolation begleitet, fühlen sich nicht so alleine. Bis zur Entlassung aus der Isolierung ist immer ein Ansprechpartner für sie da“, so Landrätin Eva Irrgang.

Die Verwaltungschefin ist stolz auf die Arbeit und den Einsatz ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Schon früh habe sich das Gesundheitsamt mit der bevorstehenden Ausnahmesituation beschäftigt, sich darauf eingestellt und andere Abteilungen im Haus mit einbezogen. Dank der Unterstützung aus diesen Bereichen konnten die Aufgaben strukturiert auf viele Schultern verteilt werden.

„Die Fallzahlen im Kreis Soest sprechen für sich. Der frühe Einsatz unserer Hygienekontrolleure, das rechtzeitige Aufstocken des Infektionsschutzteams und die Umwandlung der Organisationsstruktur des Kreisgesundheitsamts in eine ‚Pandemiestruktur‘, in der allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiters andersartige Aufgaben zugeteilt wurden, haben sich ausgezahlt. Denn so konnten gerade am Anfang viele Infektionsketten früh gekappt werden. Unterstützung gab es dabei nicht nur aus dem Kreisgesundheitsamt, sondern auch aus vielen weiteren Abteilungen der Kreisverwaltung. Unser Gesundheitsamt macht wirklich einen hervorragenden Job und ist rund um die Uhr für die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger im Einsatz. Ich bin stolz auf unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das große Engagement, das sie seit Monaten an den Tag legen, und zwar in der ganzen Verwaltung“, betont Landrätin Eva Irrgang.

Momentan sind noch circa 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kreisgesundheitsamt mit Aufgaben rund um das Coronavirus beschäftigt, zudem unterstützen sieben externe Personen. Derzeit wird geplant, wie die originären Aufgaben des Kreisgesundheitsamtes wieder nach und nach aufgenommen werden können. So finden bereits jetzt schon wieder – unter Einhaltung strikter Hygiene- und weiterer Schutzmaßnahmen – die Schuleingangsuntersuchungen statt.

Übrigens: Der Unterschied zwischen einem Hygienekontrolleur und einem Lebensmittelkontrolleur ist klar geregelt, auch wenn es kleine Überschneidungen gibt. Zu den Kernaufgaben der Hygienekontrolleure zählen der Infektionsschutz, die Hygienekontrollen beispielsweise in Krankenhäusern, Kindergärten, Tattoo-Studios und Schwimmbädern, sowie die Trinkwasserüberwachung im Kreisgebiet. Der Tätigkeitschwerpunkt der Lebensmittelkontrolleure liegt im Lebensmittelbereich.


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