Berufsorientierung ohne Klischees

70 Fachleute stellen auf Tagung fest: „Es gibt noch viel zu tun“

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Das Girls`-und-Boys`-Day-Netzwerk Hellweg-Hochsauerland organisierte die Fachtagung „Klischeefreie Berufswahl – ein Gewinn für alle“. Das Bild zeigt (v. l.): Dietmar Stemann (Kreishandwerkerschaft Hellweg-Lippe), Miguel Diaz (Servicestelle Klischeefrei), Elke Henke (zdi), Cornelia Homfeldt (Agentur für Arbeit), Andrea Bergmann (Kommunale Koordinierung Kreis Soest), Susanne Raths (Unternehmensverband Westfalen-Mitte), Lisa Plum (IHK) und Sandra Grimm (DGB Dortmund). Foto: Simon Schmitz/ Kreis Soest
Pressemeldung vom 21.02.2020 10:00

Kreis Soest (kso.2020.02.21.073.ab/-rn). "Klischeefreie Berufswahl - ein Gewinn für alle" lautete der Titel einer Tagung des Girls`-und-Boys`-Day-Netzwerkes Hellweg-Hochsauerland. Knapp 70 Fachleute, die junge Menschen auf dem Weg von der Schule in Ausbildung, Studium oder Beruf begleiten, folgten der Einladung ins Hubertus-Schwartz-Berufskolleg. Miguel Diaz von der bundesweiten Initiative Klischeefrei zeigte auf, dass schon im Kindesalter viele Berufe automatisch mit einem bestimmten Geschlecht in Verbindung gebracht werden.


So male der Nachwuchs Menschen, die bei der Polizei, der Feuerwehr oder als Pilot arbeiten, überwiegend als männliche Personen. Junge Menschen hätten jedoch Interessen und Potenziale, die weit über die Geschlechterklischees hinausgehen. „Daher ist es das Ziel einer klischeefreien Berufsorientierung, einschränkende Geschlechterstereotype zu erkennen. Die Schülerinnen und Schüler sollten ermutigt werden, ihren individuellen Stärken und Interessen zu folgen“, betonte Diaz.

Die Teilnehmenden einer Podiumsdiskussion forderten noch viel mehr motivierende Vorbilder, damit Jungen und Mädchen tatsächlich eher untypische Berufe ergreifen. „Mädchen, seid mutig und traut euch, in einen handwerklichen Beruf zu gehen“, appellierte Tanja Senftleben, Malermeisterin und Obermeisterin der Malerinnung. Als gute Möglichkeit, in Berufsfelder hineinzuschnuppern, wurden der Girls`-und-Boys`-Day sowie die Berufsfelderkundungstage und Praxiskurse von „Kein Abschluss ohne Anschluss“ gesehen. Auch die Möglichkeit, sich in den Werkstätten der Berufskollegs auszuprobieren, nutzen nach Aussage von Lehrerin Lydia Brede-Müller die Schülerinnen und Schüler der Clarenbach-Schule gerne. In allen Berufsbereichen gebe es viel häufiger gemischte Gruppen als noch vor ein paar Jahren, so ihr Eindruck. Im Pflegebereich sei die Zahl der männlichen Mitarbeitenden noch ausbaufähig, beklagte Phug Plum, Stationsleiter und Fachdozent der LWL-Klinik Hemer: „Wir haben nur 17 Prozent männliche examinierte Pflegekräfte.“

Die beiden Auszubildenden Janina Jäger (Zerspanungsmechanikerin) und Laura Patrzek,  (Industriemechanikerin) von ThyssenKrupp Rothe Erde in Lippstadt sind mit ihrer Berufswahl völlig zufrieden. „Ich wusste von Anfang an, dass ich nichts mit Menschen machen wollte“, begründete Laura Patrzek. Auf Nachfrage von Moderatorin Diana Leist gaben beide aber zu, dass „die Jungs erstmal sehr verwirrt“ gewesen seien. Andreas Deutsch, langjähriger Ausbildungsleiter bei ThyssenKrupp Rothe Erde, würde sich über mehr Bewerbungen von Mädchen freuen: „Alle Frauen, die bei uns angefangen haben, haben ihre Ausbildung erfolgreich beendet und die Chance, Karriere zu machen.“

Das World-Café bot Gelegenheit zum Austausch zu verschiedenen Fragestellungen zur Umsetzung einer klischeefreien Berufsorientierung. Das Ergebnis fasst Andrea Bergmann von der Kommunalen Koordinierungsstelle Übergang Schule-Beruf im Kreishaus so zusammen: „Es hat sich schon einiges verändert in den letzten Jahren, aber es gibt noch viel zu tun, damit Jungen und Mädchen gleiche Verwirklichungschancen auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ermöglicht werden.“


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