Interesse an Selbsthilfegruppen größer denn je

KISS zieht vorläufige Corona-Bilanz

Kreis Soest (kso.2022.05.18.286.as) „Die Selbsthilfe ist krisenerprobt“, bringt Dr. Astrid Schlüter von der Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen des Kreises Soest (KISS) es auf den Punkt. „Während das Corona-Virus viele kalt erwischt hat, hatten die Selbsthilfe-Aktiven ihr bewährtes Rüstzeug, um sich nicht verunsichern zu lassen.“ Seit mehr als zwei Jahren beschäftigt die Pandemie die rund 120 Selbsthilfegruppen, die bei der KISS gelistet sind, wie auch das Team der KISS.

Dr. Astrid Schlüter (KISS)
Dr. Astrid Schlüter zeigt den Selbsthilfe-Newsletter, der seit Mai 2020 regelmäßig erschienen und auch per App verfügbar ist. Echte Treffen sind aber durch nichts zu ersetzen. Foto: Thomas Weinstock/ Kreis Soest

„Im ersten Lockdown wurden auch Treffen von Selbsthilfegruppen pauschal untersagt. An die Belange der Selbsthilfe wurde in den Richtlinien schlichtweg nicht gedacht,“ erinnert sich Dr. Astrid Schlüter, die im Jahr 2020 unermüdlich Coronaschutzverordnungen in praktische Handreichungen übersetzte, mit Institutionen, die Räume für Selbsthilfegruppen zur Verfügung stellen, Lösungen aushandelte und die Ansprechpartner der Selbsthilfegruppen unterstützte, beruhigte und bestärkte.

Zur Überbrückung wurden digitale Treffen empfohlen, doch dazu mussten erstmal alle Beteiligten technisch fit gemacht und die Software-Ausstattung für die Gruppenleitungen organisiert werden. „Fördermittel für Computer oder Tablets gibt es nicht. Alle Engagierten nutzen ihre privaten Geräte, doch Softwarepakete, wie z.B. Zoom-Lizenzen, werden zum Glück inzwischen finanziert.“

Begleitend organisierte die KISS Computersprechtage, bot Online-Sprechstunden für Fragen, Sorgen, Probleme, aber auch zur Erprobung von Video-Konferenzen an und begann im Frühjahr 2020 mit dem regemäßigen Versand des mittlerweile alle zwei Monate erscheinenden Selbsthilfe-Newsletters (mehr unter: www.selbsthilfe-news.de).

Da Besuche von Gruppenabenden oder die Durchführung von Arbeitskreisen untersagt waren, verbrachte das Team viele Stunden am Telefon und bemühte sich, mit möglichst vielen Gruppenleitungen im Austausch zu bleiben. Dennoch: „Eine Motivation dafür, sich einer Selbsthilfegruppe anzuschließen, ist das persönliche Treffen von anderen Betroffenen und Gleichgesinnten. Online-Treffen waren und sind für die Mehrheit kein adäquater Ersatz“, so Schlüter.

Deshalb war die Erleichterung groß, als Selbsthilfegruppentreffen wieder erlaubt waren. Die Ansprechpartner und -partnerinnen der Selbsthilfegruppen im Kreis Soest haben dabei Enormes geleistet, bereitwillig die Verantwortung für die Unversehrtheit ihrer Gruppen auf sich genommen und sich über alle Maßen ehrenamtlich engagiert. Schlüter: „Gruppentreffen waren kein Ansteckungsrisiko, weil sich alle genau an die strengen Hygieneregeln gehalten haben. Aber die Treffen haben immer Halt gegeben und waren eine Konstante in der Zeit großer Unsicherheit.“

Dies belegt auch, dass sich im Herbst 2021 die erste Selbsthilfegruppe für Menschen mit Long- oder Post-COVID-19 im Kreis Soest gründete – zeitgleich wie auch in den Nachbarkreisen Gütersloh und Unna.

„Natürlich gab es auch zwei oder drei Selbsthilfegruppen im Kreis Soest, die sich aufgelöst haben“, berichtet Schlüter. Doch dabei handelte es sich in jedem Fall um bereits in die Jahre gekommene Zusammenschlüsse. Die ganze Zeit über gab es dennoch Gruppenneugründungen und Vermittlungen von Ratsuchenden in Selbsthilfegruppen. Der Bedarf war allzeit groß und ist aktuell größer denn je.

Veranstaltungen wurden ebenfalls weiter organisiert und durchgeführt – nur eben hybrid oder digital, wie z.B. der 1. Soester Tag für Seelische Gesundheit im Frühsommer 2021 als Livestream. „Das führen wir auch fort, denn wir haben auf diese Weise trotz Pandemiebedingungen mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht und eine größere Reichweite gehabt als früher mit reinen Präsenzveranstaltungen“, erläutert Oliver Wienhues als Leiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes und der Gesundheitsförderung.

Die nächste Möglichkeit bietet sich dazu übrigens beim 2. Soester Tag für Seelische Gesundheit am Samstag,  18. Juni. Weitere Informationen unter www.kreis-soest.de/seelischegesundheit.