100 Jahre Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Soest

Lehrbetrieb am 1. April 1922 gestartet – 20.000 Bedienstete von 60 Kommunen Zielgruppe

Kreis Soest (kso.2022.03.30.192.sb) Seit 100 Jahren gibt es das Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Soest. Es wurde als „kommunale Verwaltungsschule“ aus der Taufe gehoben, als der Lehrbetrieb am 1. April 1922 startete. Sven Brüggenhorst, Studienleiter und Geschäftsführer, der Soester Kreisdirektor Volker Topp als Verbandsvorsteher sowie Holger Gutzeit, Kreis Unna, Vorsitzender der Verbandsversammlung, nehmen den runden Geburtstag zum Anlass zurückzublicken.

Rückblick
Auf 100 Jahre Studieninstitut für kommunale Verwaltung in Soest blicken (v. l.) Kreisdirektor Volker Topp als Verbandsvorsteher, Studienleiter und Geschäftsführer Sven Brüggenhorst sowie Holger Gutzeit, Kreis Unna, als Vorsitzender der Verbandsversammlung zurück. Foto: Studieninstitut

Sie ist rund 327 Meter lang, liegt im Westen der Soester Innenstadt und wird von Fußgängern und Radfahrern gleichermaßen geschätzt und genutzt: die „Beamtenlaufbahn“. Wohl nicht ohne Grund erhielt der Weg diesen ungewöhnlichen Namen. Die Stadt Soest ist ein tradierter Behördenstandort, neben Amtsgericht, Agentur für Arbeit und Finanzamt haben sowohl die Stadt- wie auch die Kreisverwaltung ihren Sitz in der geschichtsträchtigen Hansestadt.

All diese Behörden, die wichtige Dienstleistungen für die Bürgerinnen und Bürgern erbringen, benötigen gerade in den Zeiten steigender Anforderungen gut qualifiziertes Personal. Dies ist wiederum keine exklusive Erkenntnis der Gegenwart, sondern das wussten schon die Verantwortlichen in den frühen zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Und so kam es, dass im Sommer des Jahres 1921, übrigens auf Initiative dreier Mitglieder der neu gegründeten KOMBA-Gewerkschaft, die Landräte der damaligen Kreise Arnsberg, Lippstadt und Soest zusammen kamen und die Errichtung einer gemeinsamen „Kommunalen Verwaltungsschule“ verabredeten. Nach einiger Vorbereitung startetet der Lehrbetrieb dann am 1. April 1922.

Wurde die Verwaltungsschule in der Anfangszeit in der Rechtsform einer sogenannten „BGB-Gesellschaft“ geführt, erfolgte im Mai 1926 die Gründung eines kommunalen Zweckverbands für den Betrieb der Verwaltungsschule. Dieser Zweckverband, freilich mit weiteren Mitgliedern, existiert noch heute. Nach einigen Funktional- und Gebietsreformen in der jungen Bundesrepublik wird der Zweckverband heute von dem Hochsauerlandkreis, den Kreisen Höxter, Paderborn, Soest, Unna, Warendorf sowie der kreisfreien Stadt Hamm getragen. Rund zwei Millionen Menschen leben in diesem Verbandsgebiet und weit mehr als 20.000 Bedienstete von über 60 Kommunen bilden die Zielgruppe der Arbeit des Studieninstituts.

Seit 50 Jahren trägt die Einrichtung auch Ihre heutige Bezeichnung als „Studieninstitut für kommunale Verwaltung Hellweg-Sauerland“, während man bis zum Ausscheiden der Sparkassen aus dem Bildungsverbund 1971 als „Verwaltungs- und Sparkassenschule“ firmiert hatte. In diese Zeit des Umbruchs fielen auch die letzten größeren baulichen Maßnahmen auf dem im Jahr 1950 erworbenen Gelände am Aldegreverwall 24 in Soest.

Aktuell werden etwa 800 Mitarbeitende und Auszubildende der Kommunalverwaltungen im Verbandsgebiet in unterschiedlichen Bildungsgängen qualifiziert.

Den Unterrichtbetriebs gestalten acht hauptamtliche Dozentinnen und Dozenten. Etwa 40 Prozent des Unterrichtsvolumens werden hingegen von nebenamtlichen Dozentinnen und Dozenten abgeleistet, den in Soest schon von jeher ein hoher Stellenwert zukam. Bereits im Jahr 1950 waren 64 Personen im Nebenamt als Dozenteninnen und Dozenten im Einsatz. Dies entspricht tatsächlich in etwa auch der aktuellen Anzahl. Die „Nebenamtler“ stellen einen integralen Bestandteil des pädagogisch-didaktischen Gesamtkonzepts dar. Nur sie mit Ihrer Praxiserfahrung können sicherstellen, dass beim Studieninstitut nicht an der kommunalen Lebenswirklichkeit und somit an den Bedarfen vorbei unterrichtet wird!

Die Arbeit der hauptamtlichen Dozenten/-innen wird von weiteren sechs Kollegen/innen des Verwaltungsbereichs einschließlich Hausmeisterei und Kantinenservice flankiert. Verbandsvorsteher und somit Behördenleiter ist Volker Topp, Kreisdirektor des Kreises Soest, Holger Gutzeit vom Kreis Unna ist Vorsitzender der Verbandsversammlung. Die Geschäftsführung des Zweckverbands und die Leitung des Instituts obliegt Sven Brüggenhorst.

Während in der Gründungsphase des Instituts der Unterricht häufig in Sälen von Gaststätten, Hotels oder auch im „Wartesaal 2. Klasse“ des Bahnhofs Bestwig stattfand, werden heute überwiegend die stetig modernisierten Räume am Aldegreverwall in Soest genutzt.  Ein hoher Stellenwert kommt auch dem Online-Unterricht auf einer elektronischen Lernplattform zu. Als der Präsenzbetrieb des Instituts in der Hochphase der Corona-Pandemie durch die Landesregierung untersagt worden war, konnte der Unterrichtsbetrieb hierdurch unterbrechungsfrei aufrechterhalten werden. 

Angesichts des großen demographischen Umbruchs in vielen Kommunalverwaltungen werden sich die Verantwortlichen in den nächsten Jahren keine sorgenvollen Gedanken über sinkende Teilnehmerzahlen machen müssen!