Mühlenbach verliert seine Fesseln

Kreis Soest entfernt Uferbefestigungen und verbessert Gewässerzustand

Kreis Soest (kso.2021.11.09.650.ak) Am Mühlenbach, und zwar zwischen der Mündung in den Salzbach im Grenzgebiet Werl/ Welver und der Kläranlage Westönnen, sollen in dieser Woche „Entfesselungsarbeiten“ beginnen. Auf einer Strecke von 3,7 Kilometern führt das Sachgebiet Wasserwirtschaft der Kreisverwaltung Soest Maßnahmen zur Renaturierung des Gewässers durch. Mit dem Projekt wird die Europäische Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL) umgesetzt. Sie gibt vor, alle Gewässer in einen guten ökologischen Zustand zu bringen.

Bagger geht ans Werk
Ein Bagger entfernt Uferbefestigungen an einem Gewässer. Auf diese Weise soll in dieser Woche im Grenzgebiet Welver/ Werl auch der Mühlenbach „entfesselt“ werden. Symbolfoto: Annette Kühlmann/ Kreis Soest

In der Vergangenheit waren die Ufer dieses Abschnittes mit groben Steinen und Vlies befestigt worden. Das verhinderte eine naturnahe Entwicklung von Gewässerstrukturen, so dass Fische und andere Gewässerorganismen in ihrer Entwicklung behindert wurden. Die Steinschüttungen entlang der Unterhaltungswege sollen auf eine Länge von insgesamt rund 2,75 Kilometern entfernt werden. Darüber hinaus sollen zwei bestehende Umfluten, die in einer Maßnahme im Jahr 2009 angelegt worden sind, neu angeschlossen werden. Außerdem wird im Rahmen der Baumaßnahmen zwischen Flerke und dem an der Grenze zu Werl gelegenen Hof Heide eine marode Holzbrücke samt Widerlager entfernt. Die Gesamtmaßnahme, die zu 80 Prozent vom Land NRW bezuschusst wird, soll etwa 110.000 Euro kosten.

„Damit der Bagger die Steine aus dem Mühlenbach entfernen kann, sind Fällungen von Bäumen notwendig. Die Gehölze werden bodennah abgesägt, durch Stockausschläge wird ein großer Teil von ihnen im Frühjahr neu austreiben“, erläutert Projektleiterin Annette Kühlmann. „Ein Teil dieser Gehölze wird als Totholz in das Gewässer eingebracht, wo sie ein Lebensraum- und Strukturelement darstellen. Aus Hochwasserschutzgründen wird das Holz an Ort und Stelle befestigt und so vor dem Abtrieb geschützt.“

Von Natur aus sind Gewässer sehr dynamische Lebensräume. Durch die Kraft des Wassers bricht immer wieder Bodenmaterial an den Ufern des Gewässers ab und lässt Steilwände entstehen. Hierdurch formt sich das für die Bördebäche typische Kastenprofil mit senkrechten Uferböschungen. Der Eisvogel weiß diese Steilwände zu nutzen. Er baut sich dort seine Brutröhren und ist sicher vor Fressfeinden. Eine Verbesserung des ökologischen Zustandes wird so begünstigt.