Immer weniger Suchtmediziner im Kreis

Experten sehen Substitutionstherapie in Gefahr – Rückfälle befürchtet

Regelmäßiger Austausch
Psychiatrie- und Behindertenkoordinator Jan Oliver Wienhues moderiert regelmäßig einen Austausch der an der Substitution beteiligten Experten mit dem Gesundheitsamt des Kreises. Foto: Thomas Weinstock/ Kreis Soest
Pressemeldung vom 14.02.2017

Kreis Soest (kso.2017.02.14.059.jow/-rn). Mit Substitutionstherapie wird eine Behandlung von Menschen bezeichnet, die an einer Abhängigkeit von Heroin oder anderen Opioiden leiden. Ihnen werden Ersatzstoffe wie Methadon verabreicht. Derzeit nehmen kreisweit ungefähr 350 Menschen an einer Substitutionstherapie teil. "Leider gibt es im Kreis Soest immer weniger Suchtmediziner für diese Behandlung", bedauert Jan Oliver Wienhues, Psychiatrie- und Behindertenkoordinator im Gesundheitsamt des Kreises.


Der Psychiatriekoordinator moderiert regelmäßig einen Austausch der an der Substitution beteiligten Experten mit dem Gesundheitsamt. In der jüngsten Zusammenkunft berichteten die über 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die unter anderem ambulante und stationäre Bereiche der Medizin, Apotheken, Suchtberatungsstellen, Suchtprävention, Eingliederungshilfe, AIDS- Hilfe und Bewährungshilfe vertraten, von einer durchaus guten Zusammenarbeit aller Beteiligten zum Wohle der Patienten und ihrer Angehörigen. "Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Substitution nicht nur lebensrettend ist, sondern auch dazu geführt hat, dass immer mehr Substituierte berufstätig sind und eine Familie haben", berichtet Jan Oliver Wienhues. "Umso schwerwiegender ist die Tatsache, dass es immer weniger substituierende Ärzte im Kreisgebiet gibt. In diesem Bereich macht sich der Ärztemangel besonders bemerkbar."

Einige der Suchtmediziner hätten bereits ihren Ruhestand angetreten, andere stünden kurz davor. So gebe es bereits heute keinen behandelnden Arzt im westlichen Kreisgebiet mehr. Jan Oliver Wienhues: "Selbst berufstätige Patienten müssen noch vor der Arbeit zur täglichen Vergabe bis nach Hamm, Unna oder Lippstadt fahren oder finden im schlechtesten Fall keinen versorgenden Arzt. Die Experten sehen in diesem Zusammenhang die Gefahr für Rückfälle, was in letzter Konsequenz zu mehr Drogenkonsumenten im Kreis Soest führen würde."

Für die Substitution gibt es klare Kriterien. Auf Antrag erteilt die Kassenärztliche Vereinigung (KVWL) Ärzten eine Genehmigung zur Erbringung und Abrechnung dieser Leistungen. Voraussetzung ist der Nachweis einer speziellen suchtmedizinischen Weiterbildung. Es handelt sich bei der Substitution um ein qualitätsgesichertes Verfahren.

Abweichend davon kann jeder Arzt auf Antrag ohne diese Qualifikation bis zu drei Patienten substituieren, wenn er einen Kollegen benennt, der die notwendige Qualifikation besitzt und ihm bei Fragen zu Verfügung steht. Außerdem ist es erforderlich, dass zeitgleich eine psychosoziale Beratung erfolgt, zum Beispiel durch eine Suchtberatungsstelle. Ebenso ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Arzt und psychosozialer Beratung vorgeschrieben.

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